kreativ-chemnitz

Streckenverlauf

Mein Weg belief sich über 3114,3 km, aufgenommen hab ich die Strecke mit Google-MyTracks. Die hier in Google Maps dargestellte Strecke ist etwas optimiert, da nur Dateigrößen < 4 MB darstellbar sind. Für die Übersichtskarte ist die blaue Route allerdings zu fett dargestellt, so dass Anzeigefehler in Form von Spitzen entstehen. Am besten reinzoomen, je mehr, umso besser wird's.

Jerusalem 2014

Die Stadt Jerusalem als Ziel hat schon seit Längerem eine magische Anziehung auf mich, ohne dass es dafür eine rationale Erklärung gäbe. Nun war die Zeit ran, bissel Geld gespart und Zeit frei gemacht, es konnte losgehen ...

Tagebuch habe ich keins geführt, ab da wo es intensiver wurde, habe ich ab und an in Facebook gepostet, damit ich später eine zeitliche Zuordnung zu den entsprechenden Etappen habe. Aus Zeitgründen werde ich meinen Trip hier zunächst übersichtsweise dokumentieren. Später also genauer ...

Zeit und Geld reichten für 4 Monate, so dass ich meine Tour dahingehend angepasst habe. Die meisten Jerusalempilger gehen den Weg über Österreich, Ungarn, Serbien, Kosovo, Mazedonien, Griechenland, Türkei, Syrien und Jordanien. Abgesehen davon, daß Syrien derzeit nicht durchquerbar war, wollte ich trotzdem "meinen eigenen Weg nach Jerusalem" gehen. D.h. Rom war ein Muss für mich und zumindest eine griechische Insel (ich liebe das Meer). Mein Weg sollte nicht nur intensiv, sondern auch optisch ein Highlight sein.

Von Rehsen (Sachsen-Anhalt) nach Brindisi (Italien) lief ich die ersten 2730 km (29.03.2014 zum 23.06.2014), der zweite Part von Kissamos Kastelli (Kreta) nach Jerusalem (Israel) belief sich auf 385 km (01.08. - 26.08.2014). Dazwischen den Monat war ich arbeiten, da das Geld knapp wurde, denn die via francigena del sud war teurer als gedacht, da es viel weniger Pilgerherbergen gab als noch vor Rom.

Deutschland

Von Rehsen bis Lindau

Paul (mein Sohn) schlief noch als ich am 29.3.2014 früh aufbrach. Es war neblig und aus der monatelangen Vorfreude wurde langsam Anspannung: Jetzt geht's wirklich los ... Erstmals wurde mir bewußt was ich hier begonnen hatte, nachdem ich nach 5 km erstmals meinen Rucksack absetzen mußte. Shit, war der schwer, wollte ich das Ding wirklich nach Jerusalem schleppen? Die physischen Torturen kamen schnell, aber das war mir klar, da ich mich nicht eingelaufen hatte. Schon im ersten Ziel Thornau gaben meine altbewährten Santiago-Wanderschuhe den Geist auf - Sohle gebrochen. Wetter und Weg auf der via imperii waren jedoch optimal und so ging es dann auch über Bad Düben, Krostitz, Leipzig nach Markleeberg, wo ich bei meiner guten Freundin Sylke Quartier hatte. Neben Übernachtungen bei Freunden und Verwandten (Danke an Sylke, Andrea, Carmen, Norbert, Michael, Marlies) hatte ich bis Lindau v.a. Pensionen, Jugendherbergen, anderweitige Privatunterkünfte, manchmal auch Gasthöfe. Nur in Reichenbach, Hof und Lindau gab es schöne Pilgerherbergen. Also grob gesagt, bin ich Deutschland auf den Pilgerwegen Via imperii, Oberfränkischer Jakobsweg, Jakobsweg Nürnberg - Ulm - Konstanz durchwandert, nur dass ich statt über Konstanz nach Lindau Richtung Österreich weiterlief. Zu 90% ging es Wald- und Feldwege entlang, die deutschen Pilgerwege sind sehr gut geplant.

Meine Ersatzwanderschuhe bewährten sich nicht, Schmerzen und Blasen an den Füßen vergingen erst als mein Vati mir seine Wanderschuhe auf den Weg brachte. Vibram-Sohle gab den Ausschlag, von da weg waren meine Füße schmerzfrei. Bis zur Alpenüberquerung hatte ich zwar dann noch Bedenken und Schmerzen an Achillessehne und beiden Knien, aber alles löste sich in Nichts auf, indem ich immer weiterlief. In Lindau in der Pilgerherberge standen Pilgerregeln, eine davon lautete: "Wenn du an deine Grenzen kommst und glaubst, es geht nicht mehr, lauf einfach weiter." Was simple klingt, wirkt meist irgendwie ...

Das erste emotionale Highlight hatte ich als mein Freund Volker mit mir zusammen die Etappe Reichenbach - Plauen bewältigte. Er mit Rollstuhl und Handbike. Wir hatten zwar bissel Pech, da die Talsperrenbrücke in Pöhl gesperrt war und wir deshalb viel Hauptstraßen laufen mußten, aber wir hatten trotzdem unseren Spaß. Abends ging es noch schön essen, dann wurde Volker abgeholt und ich rückte in die Jugendherberge ein, etwas wehmütig. Er kam aber noch zweimal an die Strecke, in Marktschorgast und Pegnitz, auf solche Momente freu ich mich dann schon den ganzen Tag.

In der Jugendherberge Bayreuth berührte mich das Schicksal eines jungen Mannes aus Bangladesh, meine Facebookfreunde wissen das. Amit studierte in Bayreuth, wurde ausgeraubt und hatte kein Geld mehr um hier in Deutschland zu bleiben. Auf dem Video sieht man schon den gepackten Koffer, er musste den folgenden Tag heim. Zudem hatte seine Freundin am gleichen Tag einen schweren Unfall. Und trotzdem hatte er eine beneidenswerte positive Lebenseinstellung und ich vergaß eine Weile jegliche Dinge um mich als wir gemeinsam paar Bierchen tranken und er ab und an auf seiner alten indischen Gitarre spielte.

Zum Video: Amit spielt für mich

Sehr lehrreich war eine private Unterkunft in Neu-Ulm bei Margrit und Peter Zender, ein erfahrenes Pilgerehepaar. Sie hatten schon Zweifel an meiner Kompetenz, da ich geschrieben hatte ich sei Jakobspilger und hätte meine Muschel mit. "Du bist Jerusalem- und Rompilger, du brauchst nen Schlüssel (Rom) bzw. ne Palme (Jerusalem)." Sie waren schon viele Wege gegangen, gaben mir nützliche Tipps.

Bewegt hat mich auch das Osterfrühstück, welches mir die Nonnen im Kloster Baindt bereiteten. Da steckte in jedem Handgriff so viel Liebe ... Zusammenfassend war es entspannt in Deutschland zu laufen, etwas Druck hab ich mir selbst gemacht, da ich viele Unterkünfte im voraus geplant hatte und also genau an dem Tag an dem Ort sein mußte. Der Pilgerweg war wunderschön, v.a. Wald und Feld, das Wetter spielte auch mit, 2-3 mal hat es geregnet, peanuts ;-) Trotzdem war dies der physisch anstrengende Teil meines Weges, d.h. es lief mittlerweile schon runder.

Schweiz

Von St. Margrethen nach Lugano

Von Lindau ging es nach Österreich. Nach Bregenz nahm ich in Rohrspitz, nahe des Rheindeltas den ersten Zeltplatz. Herrliches Wetter, auch den nächsten Tag als ich zur letzten privaten Unterkunft, zu Marlies nach Lienz lief. Es ging einen schnurgeraden Radweg am Rhein entlang. In der herrlichen Gegend pausierte ich zwei Tage, den letzten Abend kamen noch meine Freunde Remo und Nancy. Beim Hinüberspazieren nach Österreich (man sieht das an der Route), um billig einzukaufen, fand ich dann auch meinen treuen Pilgerstock :-)

Zum Video: Pause bei Marlies

Zum Video: Es wird Abend in Lienz

Danach wurde es frischer in der Schweiz, zudem hatte ich einige Zeltplätze vor mir, alternative Unterkünfte waren mir zu teuer hier. Ich fror nachts im Zelt, in Bad Ragaz, Chur, Carrera. Dafür entschädigte allerdings die immer schöner werdende Landschaft, es ging entlang der Grenze zu Österreich und Liechtenstein langsam in die Berge. Vor der Alpenüberquerung beschloß ich im Kloster Disentis/Muster mein Glück auf eine wärmende Unterkunft zu versuchen, um Kraft zu schöpfen. Ich hatte Glück, gegen eine Spende bekam ich Unterkunft und ein gutes Abendessen, mußte allerdings der Messe beiwohnen. Mach ich eigentlich gern, aber bei Benediktinern dauert sie so lange. Und dann noch in einer eiskalten Kirche, wo ich doch so durchgefroren war ;-(

Zum Video: Zeltplätze am Rhein, hier Bad Ragaz

Jetzt ging es über die Alpen - Lukmanierpass. Das Hospiz da oben hatte zu, am Vorabend hatte ich telefonisch erfahren, dass es 16 km nach dem Pass in einem Ort ein Gasthaus gab. Aber dazu mußte ich erstmal hoch. Doch das Wetter spielte mit, leicht frisch, und als Sachse gibt's auch wenig Probleme Berge zu erklimmen. Letzte Bedenken gab's noch bergab wegen der Knie, aber es sollte optimal laufen. Einzig ein Tunnel kurz vorm Pass nervte, er war kilometerlang und es zog, eiskalt da drin. Die Landschaft jedoch war gigantisch und der Abstieg entspannt. Nur das völlig überteuerte Zimmer abends trübte etwas meine Laune. Zudem bin ich grad von Graubünden im Tessin gelandet, versteht plötzlich keiner mehr deutsch :-)

Weiter ging es mit Zeltplätzen: Acquarossa, Cresciano, Mezzovico Vira, Monte Generoso. Hier war Schluss mit Wald-, Feld- oder Radwegen. Es ging v.a. Hauptstraßen entlang, die Tessiner fahren schon deutlich flotter als noch vor dem Pass. Größere Städte wie Biasca oder Belinzona waren zu durchqueren. Alles in allem mußte ich mich jetzt umgewöhnen mit dem Laufen, wie "Hans guck in die Luft" funktionierte nicht mehr, zu gefährlich. Die Landschaft war trotzdem noch faszinierend und auch Lugano war wieder ein Highlight. Wunderschön dort am See entlang zu laufen, aber Massen an Touristen.

Zum Video: Zeltplatz Cresciano

Zum Video: Zeltplatz am Luganer See

Die Schweiz ist gigantisch schön, abseits bekannter Pilgerwege wie z.B. nach Einsiedeln aber schwer zu laufen. Der Wechsel von schnurgeraden Wegen im Rheintal plötzlich steile Berge hinauf und hinunter, danach viel befahrene Straßen im Tessin. War eine schöne Herausforderung.

Italien

Von Como nach Brindisi

Ich ging mit gemischten Gefühlen Richtung Como, Italien. Zwar besuchte ich dieses Land schon öfter, v.a. Rom, aber diesmal sollte ich direkteren Kontakt zu Land und Leuten bekommen. Wie wird das aussehen? Im ersten Ort, wo ich Unterkunft brauchte, zweifelte ich noch am guten Gelingen. Cantu, es dauerte ewig bis ich in einem Gasthaus ein Zimmer fand. Zudem zeigte sich die Sprachbarriere, mich ärgerte noch lange kein Italienisch gelernt zu haben. Alles war chaotischer, hektischer, lauter hier. Auch der Weg bis Mailand änderte noch nichts an den Zweifeln, eine grauenhafte Vorstadt erwartete mich bis zur Jugendherberge da. Erst als ich am Abend mit der Metro zum Dom fuhr, konnte ich erstes italienisches Flair spüren.

Zum Video: Mailand Domplatz

Der Weg den nächsten Tag nach Pavia war nicht viel besser, über 40 km schnurgeraden Radweg, endlos. Aber ich bekam ersten Kontakt zu Menschen. Luigi hielt mich an seinem Haus an und wir unterhielten uns in Englisch. Er füllte mir die Wasserflaschen und schenkte mir sein Basecap. Angekommen, fand ich auch nach langem Suchen die erste Pilgerherberge in Italien, in Pavia. Und ich traf Pilger !!! Wie hatte ich mich drauf gefreut. Es gab doch noch mehr solche umtriebige Leute wie mich :-). Ich war endlich auf der via francigena, dem Pilgerweg nach Rom gelandet. Für die Strecke hatte ich aus dem Internet ein gutes Herbergsverzeichnis gespeichert, konnte also mein Zelt eine Weile ruhen lassen.

Schon am nächsten Tag traf ich Pilger auf dem Weg, später sogar deutsche, Sigrid und Marianne. Es war mir ein Genuß endlich mal paar Tag mit jemandem zusammen zu laufen, zu reden, zu lachen :-) Bis Piazenca liefen wir zusammen, zumindest trafen wir uns abends in den Unterkünften. In einer der Unterkünfte, Santa Maria e Bissone sah ich dann erstmalig Alain und Gabrielle, wir sollten uns noch bis Rom sehen und gute Freunde werden.

Meine Facebook-Freunde kennen die ganzen folgenden Etappen bis Rom, ich beschrieb die Highlights auf dem Weg, meine Route, meine Herbergen und die Menschen, mit denen ich in Kontakt kam. Später werde ich das mal noch detaillierter ausarbeiten, so dass auch evtl. mal jemand diesen Weg relaxt nachlaufen kann. Ich war mittlerweile mittendrin in dem schönen Land, genoß Landschaft, Menschen und Lebensart hier. Durch die flache Lombardei ging es über die wunderschönen Apenninen in die herrliche Toskana. Leute sprachen einen unterwegs an oder grüßten freundlich. In den Herbergen traf ich interessante Leute und ging ab und an mal mit jemandem zusammen. Gruss an Andrea, Yolande, Andreas und seinen Kumpel, Wojtek und viele andere, deren Namen ich vergessen habe :-) Die Via francigena ist herrlich zu laufen, jeden Tag gab es irgendetwas Bewegendes, ob landschaftlich oder menschlich. Die Zeit rannte hier. Ich lernte dieses Land lieben.

Zum Video: Fähre über den Po

Zum Video: Melodisches Glockenläuten

Und wie glücklich war ich dann als ich in Massa di Mare das erste Mal am Meer stand, hier hatte ich das Gefühl etwas geschafft zu haben und belohnt worden zu sein. Natürlich waren meine Lieblingsfranzosen auch in der Jugendherberge hier. Zudem kamen auf den restlichen Kilometern nach Rom die ganzen toskanischen Highlights: Lucca, Sienna, San Gimignano und und und ... Obwohl mich das Laufen auf Straßen mittlerweile kaum noch tangierte, war ich bemüht hier jeden Zipfel Natur und Naturweg zu genießen. Wie schon auf FB geschrieben, fahren die Italiener chaotisch, hupen oft, halten an, wo es ihnen beliebt. Und trotzdem habe ich auf dem ganzen Weg durch Italien nur einen Unfall gesehen. Und da war ein deutsches Wohnmobil drin verwickelt. Ich kenne keine rücksichtsvolleren Autofahrer als die Italiener.

Zum Video: Endlich am Meer

Zum Video: Straßenkünstler in Lucca

Zum Video: Jazz in San Miniato

Jedenfalls verging die Zeit wie im Fluge als mir im Schwesternkloster in LaStorta, wo ich mit Andreas und Kumpel Quartier nahm, plötzlich klar wurde, dass ich morgen Rom erreichen würde. So lief ich dann auch zeitig los, der Weg durch die römische Vorstadt war nicht so prickelnd. Da traf ich auch noch einen Santiagopilger an der Straße, der grade von Rom gestartet war. "Haste es ja noch weit" sagte ich und er nickte glücklich :-) Hab mitbekommen, dass viele Pilger in Gegenrichtung unterwegs sind. Erst als ich den Monte Mario herunter lief, überblickte ich das schöne Rom, sah mein heutiges Ziel, den Vatikan. Als ich am Petersplatz ankam, schaute mich eine junge Frau an und fragte: "Pellegrino?". "Si, si." Marti war ganz begeistert von meiner Strecke, wir erzählten ne Weile und schossen noch paar gemeinsame Bilder. Nun musste ich erstmal das Organisatorische abarbeiten: Testimonium holen, Unterkunft suchen. War auch alles unproblematisch, Spedale della provvidenza, eine sehr gute Pilgerherberge in Trastevere, mit Frühstück und Abendbrot. Hier durfte ich 2 Nächte bleiben und so kümmerte ich mich drum, am Folgetag irgendwie Papa Fransesco zu sehen. Und hatte Glück, es war zufällig eine Messe für die Carabinieri, ansonsten hätte ich bis Pfingsten hier warten müssen. Da ist dann aber richtig Chaos hier :-) Und wen traf ich am Folgetag, mitten unter Tausenden Menschen? Alain und Gabrielle :-) Das ging uns schon in Sienna so. Menschenmassen dort, aber wir liefen aufeinander zu. Schicksal, Zufall? Egal, schön eben. Und so spazierten wir nach der Papstmesse noch ne Runde zu den antiken Sehenswürdigkeiten und ließen den herrlichen Tag mit paar Bierchen ausklingen.

Zum Video: Mein Traum, Papa Francesco

Am nächsten früh war es heftig für mich. Adieu Rom, adieu Alain und Gabrielle. Ich heulte. Auch war die Wahrscheinlichkeit nicht groß auf dem Weg nach Brindisi, Pilger zu treffen. So ging es denn vorbei an der Maxentiusvilla und den Katakomben die via appia antica hinaus aus Rom. Unterwegs traf ich dann eine Gruppe Santiagopilger, sie lenkten mich etwas ab mit ihrem Interesse. Durch Lazio verlief der Weg über Martino nach Artena. Die Orte lagen jetzt auf hohen Hügeln mit genialen Rundumblicken. Grad geduscht in der Herberge und auf der Bank bei nem Bier sitzend, dachte ich: "Die beiden sehen doch aus wie deutsche Pilger." Und richtig, dort begegnete ich Gernot und Roland. Wir vertrugen uns sehr gut und liefen bis Benevento meist zusammen.

Zum Video: Aussicht Veroli

Nach Lazio ging es durch Kampanien nach Apulien. Ich freute mich so sehr endlich paar Tage hintereinander am Meer zu laufen. Auch wenn ich gleich in Bari Probleme mit der Unterkunft bekam, sah ich das entspannt. Irgendwie regelt sich alles. Ich verabschiedete nun auch meinen treuen Pilgerstock, warf ihn in das geliebte Meer. Er war mir in den Bergen und bei hartnäckigen Hunden eine große Hilfe. Die Adria war schön türkisfarben, das Wetter anfangs regnerisch, dann aber super. Auf der letzten Etappe war ich dann auch baden, vorher setzte ich mich nur abends mit nem Bier ans Meer und genoß die Weite. Ich verbrachte dann noch zwei Tage in Brindisi, konnte abends in nem Restaurante am Meer sogar mal 2 Spiele der WM verfolgen. Genial. Ciao Italia.

Zum Video: Bier am Meer

Zum Video: Weiterhin Meer in Monopoli

Zum Video: Prozession in Brindisi

Zum Video: Brindisi am Abend

Zum Video: ... und am Morgen

Kreta

Kissamos Kastelli - Preveli, danach zurück zu den Schluchten

Ich hatte noch einen Monat Zeit, deswegen wählte ich den Fernwanderweg E4 auf Kreta als Pilgerpfad Richtung Israel. In Heraklion gelandet, schlug ich mich erstmal zur Westküste nach Kissamos Kastelli mit dem Bus durch. Busfahren ist schon ein lustiges Chaos da :-) Vom dortigen Hafen Trachilos startet der E4. Den ausgesuchten Zeltplatz da gab es nicht mehr, der Besitzer war verstorben. So nahm ich mir erstmal ein rent room und lief dann zum Hafen, dem Ausgangspunkt. Nach einem typisch kretischem Abendessen setzte ich mich ans ersehnte Meer.

Zum Video: Kissamos Kastelli

Am folgenden Tag startete ich zeitig, war sehr warm da. Es ging zunächst weg von der Küste Richtung Polyrrinia durch trockenes Gebiet bergan. Viele freilaufende Hunde nervten etwas durch die kleinen Dörfer da, aber das änderte sich später an den größeren Straßen und der Küstenroute. So war dann auch irgendwann die schöne Westküste in Sicht, an der ich bis Sfirnari lief. Dort durfte man wild campen am Strand, alle schattigen Plätze waren aber belegt. So nahm ich dann ein rent room und genoß den ersten Sonnenuntergang über dem Meer.

Ich hatte mir bewußt die Küstenroute des E4 rausgesucht, herrliche Aussichten auf's Meer auf dem Weg tagsüber und abends immer Unterkunft am Meer. War landschaftlich genauso wie ich das erwartet hatte, nur den Weg hatte ich etwas unterschätzt. Während es an der Westküste bis Elafonisi noch oft die Straße entlang ging, änderte sich das an der Südküste. Viele Kilometer im weichen Sand wechselten mit steiniger Steilküste. Teilweise war klettern auf allen vieren angesagt. 20-35 km am Tag wie in Italien war hier nicht mehr möglich. An die Wärme von bis zu 35 Grad im Schatten mußte ich mich auch gewöhnen. So ging es nun über Christokallitisa, Elafonisi, Paleochora, Sougia gen Osten. Ein Tag schöner als der andere, herrlich immer am Meer zu sein. Vorbei an den Schluchten, die alle am Meer enden, landete ich in Lykos. Ein Traum hier, ich wußte dass ich hierhin zurückkehren würde. Musste aber erstmal weiter.

Zum Video: Katze in Lykos

Zum Video: Lykos Beach

Ich hatte beständig vor, endlich mal zu campen, da ich ja meine Zelt mitschleppte. Es gab auch überall hier die Möglichkeit wild zu campen. Aber immer waren die Schattenplätze besetzt, in der Sonne war es im Zelt nicht auszuhalten. Deshalb nahm ich meist rent rooms. War auch überall problemlos möglich und preiswert. So ging es weiter an der Küste: Loutro, Chora sfakion, Fragkokastello, Karaka-Beach. Wie meine FB-Freunde wissen, hatte ich im letzten Ort das Pech, dass der Besitzer vergessen hatte, dass er mein Zimmer schon vermietet hatte. Unter 1000 Entschuldigungen und viel Raki bat er mich in ein Nobelhotel umzuziehen, zum gleichen Preis. Mit Pool und allem Pipapo, so ein Pech aber auch :-)

Zum Video: Über Souda nach Plakias

Einen Tag zuvor mußte ich die Entscheidung treffen, ob ich dem E4 weiter folge. Er führte nämlich jetzt ins Innere, weg von der Küste. Ich entschied mich erstmal weiter die Küste entlang zu laufen und im nächsten Ort dann Informationen einzuholen, was wohl das Beste wäre. In Plakias trafen sich nämlich die Backpacker und Aussteiger, sie kannten sich gut aus in verschiedenen Teilen Kretas. So verbrachte ich paar Tage in der dortigen Jugendherberge, betreut von einem Berliner. Schon in den 70'ern trafen sich hier Hippies und Aussteiger, der Name "Schweinebucht" für den herrlichen Strand mit dem extrem klaren Wasser, kam nicht von ungefähr :-) Von hier aus unternahm ich weitere Touren nach Osten, u.a. nach Preveli, einem herrlichen Palmenstrand, allerdings extrem überlaufen. Und ich bekam meine Infos: Würde ich dem E4 weiter folgen, käme fast nichts Sehenswertes mehr, der Psiloritis, der höchste Berg Kretas wäre so ziemlich das Einzige. So traf ich dann auch die Entscheidung an der Küste zurück zu laufen und mir alle Schluchten anzusehen.

So ging es wieder gen Westen zunächst über Fragkokastello und Chora sfakion, zum Ablaufen der Imbrosschlucht, sie beginnt steil bergan in Imbros und endet an einer Straße kurz vorm Meer. Sie ist eher leicht zu laufen. Tags darauf, startete ich in Lykos nach Aradaina zum Wandern in der Aradena-Schlucht. Das war schon ne andere Hausnummer, sehr anspruchsvoll teilweise. Sie endet direkt am schönen, überlaufenen Marmara-Beach am Meer. Danach war die bekannteste der kretischen Schluchten dran: die Samariaschlucht. Hier konnte ich nicht zum Startort Omalos laufen, das war zu weit für eine Tagestour. Bus wollte ich auch nicht nehmen. So ging es mit der Fähre nach Agia Roumeli, da wo die Schlucht im Meer endet. Ich lief die Schlucht also von unten hinauf und danach wieder hinunter. Allerdings nicht direkt bis Omalos, sondern etwa 3 km davor.

Zum Video: Bootsfahrt an Kretas Küste (Höhe Aradena-Schlucht)

Jetzt wollte ich noch etwas von den weißen Bergen (Levka ori) sehen und lief die Steilküste hinauf nach Anopoli und Richtung Pachnes, dem zweithöchstem Berg Kretas. Allerdings nicht bis ganz hoch, das wäre an einem Tag nicht möglich gewesen. Gern wäre ich noch übergesetzt zum südlichsten Punkt Europas, der Insel Gavdos. Allerdings wurde mir gesagt, die See wäre zu rauh momentan. So verbrachte ich den folgenden Tag am Strand in meiner Traumbucht Lykos und plante mein weiteres Vorgehen in Israel, buchte auch meine Unterkunft in Tel Aviv.

Nun hieß es Abschied nehmen vom lybischen Meer und es ging per Bus nach Heraklion. Dort angekommen, wanderte ich nach Knossos, der alten minoischen Ausgrabungsstätte und danach zurück in den venezianischen Hafen Heraklions. Ich lief noch etwas die Nordküste ab, die wie ich finde, nicht so schön wie die im Süden ist. Gegen Abend gönnte ich mir nochmal typisch kretische Küche ehe ich die Nacht auf dem Flughafen verbrachte. War zu aufgeregt zum Schlafen.

Zum Video: Flugzeug über Heraklion

Israel

Von Tel Aviv nach Jerusalem (mit Ausflügen)

Nach nem ruhigen Flug mit dem Airbus nach Tel Aviv zum Ben Gurion Airport, ging es zum Check-in. War mir schon erzählt worden, dass dieser etwas länger dauert hier. So stellte mir dann auch die humor- und ausdruckslose Dame dort permanent diesselben Fragen: "What do you want in Israel?", "What do you know about the history of Israel?", "Where do you sleep?". Immer wiederholend und nie zufrieden mit meinen Auskünften, holte sie eine zweite Person hinzu, die mich in einen Warteraum verfrachtete. Dort saßen schon viele Leute und wurden einzeln in einen Raum geholt. Nach ner Stunde war auch ich fällig und wurde sehr gründlich befragt. Vor allem mit dem Wort "Pilgrim" wußten sie nicht so recht was anzufangen. Jedenfalls hab ich mich ordentlich erklären können und bekam letztendlich mein Einreiseticket. Nur wurde mir zur Bedingung gemacht, dass ich mir sofort eine Unterkunft für die 5 Tage suche. Ich versprach natürlich, meine Herbergsbuchung auf 5 Tage zu verlängern, stand nun jedoch vor dem Dilemma, wie ich die Fusspilgerschaft fortsetze, von einem Ort aus. Einen Stempel bekommt man nicht in seinen Reisepass, da man damit in kein arabisches Land mehr einreisen kann. Nun ging es zur Suche nach ner Verbindung zur Stadt rein, nach zahlreichem Nachfragen fand ich auch den richtigen Zug, hatte dann aber noch einige Kilometer in der City vor mir bis zur Herberge Hayarkon48, der Backpacker-Unterkunft.

Die Herberge liegt 100m vom Strand entfernt, ist top betreut, sehr preiswert und nur zu empfehlen für Weltenbummler. Nur die Klientel da drin ist etwas gewöhnungsbedürftig. Die meisten wollen Party machen in Tel Aviv, dem entsprechend, stehen die Leute in meinem 6-Bett-Zimmer gegen abend auf und kommen früh heim. Ruhig schlafen da drin, war ne Illusion. Der Boden war voll mit verstreuten Klamotten und jeden Abend musste ich erstmal mein Bett von "Müll" befreien. Zudem die lauten, penetranten Stimmen der Ami's und Kanadier. Grrrr ... Egal, ich brauchte zuerst nen Plan für meine Pilgerschaft, war ja nun beauflagt diese Unterkunft für 5 Tage zu belegen. Die Entfernung von Tel Aviv nach Jerusalem betrug noch 70 km. D.h. ich brauch jeden Tag nur 15 km. So fand ich die für mich sogar noch optimalere Lösung: Wenn ich jeden Tag mit Bus oder Zug an die sehenswerten Orte fahre und diese zu Fuss entdecke, bin ich a) meine Strecke gelaufen und habe b) sogar noch alles Relevante sehen können. Zwar war damit die ruhige innere Einkehr einer Pilgerschaft etwas in den Hintergrund gerückt, aber im Hinblick auf das, was ich sehen würde, nahm ich das dankend in Kauf. Nur war jetzt jeden Tag straffe Organisation notwendig. Dafür konnte ich mich dann jeden Abend auf dem roof top der Herberge bei nem israelischen Bier entspannen :-)

So machte ich das dann auch, ich besuchte das Totes Meer und Massada, Nazareth und den See von Galiläa, die Grenze zu Libanon mit den Grotten von Rosch Hanikra, Caesarea, Akko und zuletzt Betlehem und das Endziel meiner Pilgerschaft: Jerusalem. Alles klappte perfekt und ich war angekommen. Nicht nur diese geschichtsträchtigen Orte, auch viele Gespräche mit Weltenbummlern, Touristen und Einheimischen gaben mir unheimlich viel Input, der erstmal geordnet werden muss. Auf jeden Fall hat dieses Land meine ganze Sympathie, ich fühlte mich jederzeit geschützt vom iron dom, trotz dass man einige Male am Abendhimmel in der Ferne Lichtblitze sah oder dumpfe Abschussgeräusche hörte. Zudem hatten wir aktuelle Infos der terroristischen Aktionen über Apps und Webseiten. Einmal ging auch die Sirene in unserer Herberge, gegen 8 Uhr früh, aber da war ich schon auf Tour.

Zum Video: Grotte Rosh ha-Niqra

Am 26.8. gegen 2 Uhr ging es dann zum Airport, der Check-In war diesmal unproblematisch und wir starteten pünktlich Richtung Berlin Schönefeld. Mein Vati holte mich ab, ich verbrachte noch paar Stunden bei meinen Eltern und genoß die Regentropfen, die von der Dachrinne ihres Hauses tropften. Ich fand es sehr schön wieder in Deutschland zu sein, hab ein anderes Gefühl für meine Heimat entwickelt. Zuviel war vorher selbstverständlich geworden, ich bin froh hier in Frieden leben zu dürfen.