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Streckenverlauf

Die Via francigena, die von Canterbury nach Rom führt, war mir ab Pavia bekannt. 2014 bin ich auf dem Jerusalemweg von Mailand kommend in Pavia drauf gestoßen. Das Teilstück vor Pavia über den Großen St. Bernard durch's Aostatal wollte ich auch noch kennenlernen, zusammen mit Manuela.

Via francigena 14.07.2017 - 28.07.2017

In den 14 Tagen Urlaub, den wir hatten, wollten wir das Teilstück von Martigny nach Pavia laufen. Das schöne Wetter, was uns begleitete, war in den Bergen noch ein Segen, nach dem Verlassen der Region Aosta eher ein Fluch. Flache Wege ohne Schatten, Reis- und Maisfelder mit fürchterlich vielen Mücken, man sollte diese Etappen nicht im Hochsommer laufen. Trotzdem genossen wir wieder die typisch italienische Gastfreundschaft und lernten eine neue Seite dieses außergewöhnlich schönen Landes kennen.

Tag 1

Ankunft Martigny

Die Anreise mit dem Zug nach Martigny war lang und nervig. Schienenersatzverkehr, verspätete und ausgefallene Züge, zu knappe Umstiegszeiten. Das bedeutete wenig Schlaf. So ging es denn von Chemnitz über Leipzig, Frankfurt, Basel, Bern und Visp nach Martigny. Wir kamen verspätet gegen 11 Uhr an und liefen gleich los. Hinter dem schönen Ort türmten sich schon die Berge, einige Höhenmeter davon standen heute an. Bei sonnigem Wetter führte der Weg schön schattig durch den Wald bergan. Für den 1. Pilgertag warteten schon ordentliche Anstiege, unterbrochen von leichten Wegen zwischen den Bergflanken links und rechts. Wir durchquerten die kleinen Orte Bovenier und Sembracher, bevor wir am späten Nachmittag am Ziel in Orsières ankamen. Unser erster Gang führte zu einem kleinen Laden, um uns mit preiswerterem Bier und Essen einzudecken. Wir sind schließlich in der Schweiz, und zwar in der französischen. Das wurde mir bewußt als wir das Hotel suchen mußten, keiner sprach deutsch oder englisch. Irgendwann fanden wir das Hotel de l'Union, der redselige und freundliche Inhaber war, Gott sei Dank, mehrsprachig unterwegs. Nach dem Ankommensbier machte Manu noch nen Stadtbummel, während ich es mir auf dem Balkon mit der feinen Sicht auf die Berge gemütlich machte.

Tag 2

Orsières - Bourg Saint-Pierre

Nach dem guten Frühstück und einem Stoff-Bernhardiner für Manu als Geschenk vom Hotel ging es nach dem Ort schnell sehr steil bergauf. Es war wieder sonnig, wunderschöne Aussichten taten sich auf, idyllische Berghäuschen und herrlich bunte Wiesen lagen am Weg. Vorbei an dem kleinen Ort Liddes erreichten wir zeitig unser Ziel Bourg Saint-Pierre. Napoleon hatte hier mit seiner Armee Station gemacht nach der Alpenüberquerung, deshalb heißt hier jedes zweite Objekt Bivouac Napoléon. Zuerst liefen wir an unserer Herberge vorbei, weil ich die Pilgerherberge suchen wollte, später merkte ich dann dass wir in ein Motel mit Pilgerrabatt mussten. Im Maison St. Piere angekommen (mittlerweile Hotel), taten wir erstmal was gegen unsere ausgetrockneten Hälse. Wir hatten den weiteren Nachmittag Freizeit, ich schlief, Manu las im Garten bei herrlichem Sonnenschein. Nach dem anschließenden Bummel durch die Umgebung gab es zum Tagesausklang noch ein feines Abendessen.

Tag 3

Bourg Saint-Pierre - Col du Grand Saint Bernard

Nach nem ebenso gelungenem Frühstück ging's zunächst wieder durch den kleinen Ort, dann steil bergan und später einen langen Kiesweg entlang zum Staubecken. Am Stausee vorbei, verlief der Weg lange an einem Bachlauf leicht bergab. Hier machten wir erstmal ausgiebig Rast, denn danach ging es lange steil bergan. Schmale Wege führten durch Kuhweiden und nach der Überquerung der Passstraße ging es richtig hoch über felsiges Gelände. Bald waren erste Häuser am Gipfel erkennbar, wir hatten den Großen St. Bernard erreicht, ein Highlight unserer Tour. Hier checkten wir gleich im Hospiz, einer Pilgerherberge, ein, und was ein Wunder, wenig später traf ein weiteres Pilgerehepaar ein. Es waren zwei von drei Pilgern, die wir auf unserer diesjährigen Strecke zu sehen bekamen. Nach dem Ankunfts-Prozedere setzten wir uns zu einem Bierchen in die Sonne und brachen danach zu kleinen Erkundungstouren auf. Manu machte einen Rundgang um den wunderschönen See, ich kletterte noch bischen auf den umliegenden Bergen rum. 18 Uhr waren wir pünktlich zur Messe zurück, danach gab es für alle Gäste ein gemeinsames Abendessen, ganz ordentlich für eine Herberge. Wir konnten uns nicht satt sehen an der Landschaft und machten noch nen Abendspaziergang am See. Paar durstige Engländer grillten am Straßenrand, wir unterhielten uns noch bei Bier und Wein mit einem walisischen Bauarbeiter, der hier oben die Wege erneuerte, während die Landschaft um den See ständig ihre Farben änderte ...

Tag 4

Col du Grand Saint Bernard - Gignod

Nach dem gemeinsamen Frühstück mit den Gästen des Hospiz erwartete uns ein ewig langer Abstieg vom Berg. Vorerst war alles neblig, man sah nicht einmal den 5m entfernten See. Doch wie immer in den Bergen änderte sich das Wetter schnell, vorbei an der Statue des heiligen Bernard taten sich tiefe Täler auf. Über Felder ging es steil bergab, gleich im ersten Teil des Abstiegs sahen wir verspielte und sehr zutrauliche Murmeltiere. Einige Wanderer waren auch unterwegs, die meisten machen hier nur den Auf- und Abstieg auf den Grand Saint Bernard mit Übernachtung im Hospiz oder Hotel. Weiter unten verlief der Weg durch idyllische kleine Ortschaften, Saint Leonard mit kleinen Pilgern auf den Straßenlampen, die Francigena scheint hier zumindest ein kleiner wirtschaftlicher Faktor zu sein. Auf schönen schattigen Waldwegen mit Wasserkanälen (Rus) an der Seite durchquerten wir Etroubles und erreichten am frühen Nachmittag Gignod, unser heutiges Ziel. Im Ortsinnern gaben wir uns vorerst ein Abkühl-Bierchen ehe wir unsere Unterkunft suchten. Diese war von 2 älteren Herrschaften betreut und hatte ne wunderschöne Terasse. Nur das Restaurant hatte geschlossen und so wurden wir am Abend in eine 3 km entfernte Ortschaft zum Abendessen gefahren. Gefiel uns nicht ganz so, aber der sehr mitteilungsbedürftige Inhaber hatte uns gleich festgenagelt :-) Den Rest des Abends machten wir uns auf der Terasse breit und genossen die Dämmerung bei schöner Aussicht in die Bergflanken.

Zum Video: Murmeltiere

Tag 5

Gignod - Nus

Nach dem reichlichen Frühstück nahmen wir den Weg nach Aosta in Angriff, der Regions-Hauptstadt. Etwas straßenlastig ging es weiterhin bergab, durch kleine Vororte von Aosta. Dort angekommen, bummelten wir alle Sehenswürdigkeiten ab ehe ich es mir dann im Schatten eines Straßencafe's gemütlich machte. Manu wollte in der Zeit nochmal richtig durch die Läden bummeln, das war mit mir unmöglich ;-) Über die alte Römerbrücke verließen wir Aosta, der weitere Weg führte uns auf und ab an der Bergflanke entlang, teils auf Wegen, oft auf kleinen Straßen. Am Monasterio Mater Misericordiae fragten wir erstmal nach Wasser, das schwülwarme Wetter in der prallen Sonne brauchte unsere Wasserreserven auf. Auf dem weiteren Weg waren einige Kastelle zu sehen, u.a. das uralte Castello di Quart. Zwischenzeitlich regnete es, aber das war ein sehr warmer, eher angenehmer Guss. Letztlich ging es hinab in den Ort Nus, ein eher lustloser Mann empfing uns im Hotel, welches zudem an einer stark befahrenen Hauptstraße lag. Der Hotelpool war bei Regenwetter für uns leider auch nicht als Erfrischung zu gebrauchen. Aber von derartigen Kleinigkeiten ließen wir uns weniger beeindrucken, Schlafen und Essen war für uns primär und das war gegeben. Bis zum Abendessen lief Manu wieder durch den eher eintönigen Ort während ich mir den Zieleinlauf der Tour de France anschaute. Die Pizza am Abend war jedenfalls vom Feinsten.

Tag 6

Nus – Saint-Vincent

Auch das Frühstück fiel hier fiel eher bescheiden aus, trotzdem ging es gut erholt weiter. Die Via francigena folgt weiter dem Aostatal, links an den Flanken der Berge ging es teilsweise steil auf und ab. Meist auf ruhigen Straßen durchquerten wir einige kleine Ortschaften. An einem sehr bunten Haus bat uns der Besitzer, wahrscheinlich Francigena-Fan, ins Haus um uns Wasser aufzufüllen und um paar Worte zu wechseln. Bei sehr schwülem Wetter erreichten wir Chatillon. Wir bummelten durch den Ort und pausierten in der Bar eines Boule-Platzes ehe wir den steilen Anstieg an der Chiesa di Chatillon vorbei in Angriff nahmen. Allerdings war es nicht mehr weit bis Saint-Vincent, welches für seine Thermen bekannt ist. Dort angekommen nahmen wir unsere Unterkunft in Beschlag, Manu ging wieder auf Stadtbummel, ich chillte ne Runde. Am Abend aßen wir, wie gehabt, in der Pizzeria. Hier zog ein massives Unwetter auf dass sogar der Strom vom Pizzaofen ausfiel. Ein Hochgenuss nach so nem schwülen Tag, da wartet man auch gern mal länger auf's Essen.

Tag 7

Saint-Vincent – Pont-Saint-Martin

Wieder ging es steil aufwärts aus dem Ort heraus, vorbei an kleinen Ortschaften. Bei Chenal verlor ich mal kurz die Orientierung, wir nahmen den Weg zu einer Ruine und mußten später umkehren. Es regnete sporadisch, schwül und nass, in welchen Klamotten läuft man da? Weiter auf und ab, teilweise auf gefährlich steilen und rutschigen Pfaden, erreichten wir Verres. Nach kurzer Trinkpause in einer Bar liefen wir an das Ufer des Flusses Dora Baltea, der uns im Tal schon länger begleitete. Der Weg war jetzt zwar eben, aber jetzt extrem straßenlastig. Vorbei an Arnad führte der Weg über eine Brücke und dann weiter am Fluß entlang. An einem langem Feldweg war in der Ferne schon das Castello di Bard zu sehen, imposant gelegen zwischen den auslaufenden Bergen des Aosta-Tales. Nach dem Ort Hone ging es über eine Brücke nach Bard. Am steilen Aufstieg zur Festung ruhten wir nochmal in einem Cafe aus ehe es weiter hoch durch nen schönen Ort ging. Danach folgte der steile Abstieg auf Richtung Donnas. Wir durften kurz vor dem Ort auf einer grob gepflasterten originalen Römerstraße laufen, alte Karrenspuren hat sich in den Stein eingefräst. Im Ort selbst sah ich am Weg eine sehr schöne Pilgerherberge, leider tauchte sie in keinem Führer auf, so hatte ich unsere Unterkunft nach Pont-Saint-Martin verlegt. Bis dahin führte noch eine nervige lange Hauptstraße ehe wir in unsere Unterkunft an der alten Römerbrücke gelangten. Wir aßen im Hotel zu Abend, keine gute Wahl diesmal. Danach erfuhr Manu von einer Pilger-Prozession am Abend und weg war sie. Alle Ansammlungen von mehr als 3 Leuten waren nix für mich, diesmal bummelte also ich etwas durch die Kleinstadt.

Zum Video: Pilger-Prozession

Tag 8

Pont-Saint-Martin – Ivrea

Es war unser letzter Tag in der Region Aosta, heute betreten wir den Piemont. Die Berge wurden immer flacher bis sie am Ende des Tages nur noch am Horizont sichtbar waren. Trotzdem ging es zunächst wieder aufwärts aus Pont-Saint-Martin heraus, dann kleinere Wege entlang, oft auch Straßen. Vor Torre Danielle überquerten wir einen Zeltplatz und machten dann kurz vorm Ort eine Pause. Hier sahen wir Pilger Nr. 3 vorbeilaufen, wir kamen später ins Gespräch. Die letzten Hügel nach Cesnola und Settimo Vittone waren zu erklimmen ehe der Weg dann lange gerade verlief. Vor einem See, dem Casali Lago Sirio, kollidierten dann die Ausschilderungen des Weges mit meinen GPS-Daten. Die Ausschilderungen führten uns um den See herum, ich vermute wegen der Gaststätte dort. So hatten wir doch noch paar unerwartete An- und Abstiege durch den Wald zu bewältigen ehe wir bei brütender Hitze, zusammen mit dem italienischen Pilger, in Ivrea einliefen. Nach Besichtigung des Castellos bewegten wir uns in's Cafe, dort sprach uns gleich eine Amerikanerin an, sie machte ne Europa- Rundreise und wollte alles genau über unsere diesjährige Tour wissen. Zu unserer Unterkunft mussten wir wieder über den Fluss. Wir übernachteten im hiesigen Kanu-Klub, eine preiswerte und gute Herberge. Nach dem Einkauf und Manu's Stadtbummel chillten wir am Fluß oder im Vorgarten der Herberge. Was sofort auffiel, seit wir in den flachen Gefilden des Piemonts angekommen sind: die Mücken werden mehr ...

Tag 9

Ivrea - Santhià

Der Weg führte durch die Vorstadt von Ivrea hinaus ins Grüne, lichte Wälder, Wiesen und Maisfelder wechseln sich ab mit kleinen Ortschaften. Nach Piverone führte der Weg in der prallen Sonne lange die Straße entlang, so dass wir dort erstmal in die Bar einrücken mussten. Danach ging's weiter über Feldwege an Kiwi- und Weinplantagen vorbei, irgendwann sah man den Lago di Viverone. Nach dem Ort Viverone rasteten wir an einem Waschplatz, ehe es weiter nach Cavaglia ging. Ursprünglich wollten wir in der hiesigen Pilgerherberge übernachten, entschieden uns aufgrund der immer größer werdenden Hitze aber bis Santhia zu laufen, denn da ist die morgige Strecke kürzer. Weiter über Feldwege erreichten wir schon ziemlich erschöpft Santhia, die Hitze war heute schon arg gewesen. Wir standen nur kurz vor der Pilgerherberge, da kam schon der Cafe-Inhaber von Gegenüber mit dem Schlüssel. Freundlich wurden wir eingecheckt und auch die Herberge hatte alles, was der Pilger braucht. Zum Dank verbrachten wir dann auch den Abend in seinem Cafe, aus der Kirche am Platz drang derweil herrlich klingende Orgelmusik ...

Tag 10

Santhià - Vercelli

Am Morgen liefen wir zuerst in die Stadt in ein Cafe, Frühstück muss sein. Dann ging es an der Hauptstraße raus aus dem Ort. Es folgten ewig lange Feldwege, vorbei an Reis- und Maisfeldern. Kein Hügel mehr in Sicht, pralle Hitze, Mücken. Vercelli gilt als europäische Reis-Hauptstadt. Das Reisanbaugebiet, die Lomellina, bestehend aus Bauernhöfen (Cascina) und endlosen mückenverseuchten Feldern. Gegen die Mücken hat man besondere Libellenarten hier angesiedelt, das war unterwegs auch spürbar. Wo unzählige bunte Libellen um uns kreisten, hielten sich die Plagegeister in Grenzen. Selten ging es durch kleine, fast verlassene Ortschaften. In einer der letzteren, Montonero, mussten wir uns erstmal ne halbe Stunde in den Schatten eines Kirchhofes abkühlen. Danach ging in den belebten Ort, die Unterkunft lag etwas außerhalb des Zentrums. Nicht besonders freundlich war man hier, auch die Zimmer und die Lage waren eher schlecht. Wenigsten der Supermarkt war um die Ecke. So lief Manu wieder in die Stadt, während ich den Einkauf besorgte. Am Abend erschlug ich gefühlte 100 Mücken und konnte dann doch nicht schlafen, zu warm, immer noch überlebende Mücken ... fürchterlich ...

Tag 11

Vercelli – Mortara

Unausgeschlafen nahmen wir das genauso schlechte Frühstück und machten uns auf den Weg, zunächst durch das Stadtzentrum, dann über einen wasserarmen Fluss Richtung Reisfelder. Die Landschaft änderte sich nicht zu gestern, Reis, Mais, Reis, Mais und Mücken. Kurz vor Robbio ging es über eine ruhige Straße in den Ort. Die Hitze zwang uns dort wieder in die nächste Bar. Weiter ging es über die Felder, endlos, wiederum erschöpft kamen wir in Mortara an. Gleich im Ortsinnern kümmerte ich mich in der ersten Bar beim Kühlungsbier um eine Unterkunft. Preiswert war nur ein B&B um die Ecke und so liefen wir dahin. Es ging an den Stadtrand, auffällig viele aggressive Hunde bellten in den Vorgärten. Freundlich wurden wir von einem Musiker und dessen Frau empfangen. Ein schönes Zimmer mit Garten wurde uns gezeigt und der Cellist erzählte uns von seinen Konzerten in Deutschland. Am schönsten klingt es wenn ein Italiener in seiner ästhetischen Sprache den Ortsnamen "Ohrdruff" ausspricht :-) Für den Abend empfahl er uns noch eine preiswerte Pizzeria, wo wir dann auch am Abend hinwandelten, begleitet von fürchterlichem Gebell. Wir sprachen unseren Cellisten auch darauf an, er meinte dass hier viele Angst hätten, die Zuwanderung in Italien gerät außer Kontrolle ... es gibt viele Zwischenfälle.

Tag 12

Mortara – Garlasco

Wir verließen Mortara durch das Zentrum, vorbei am etwas am Stadtrand liegenden Abbazia di S. Albino. Anfangs führte der Weg noch durch lichte Wälder, aber schon bald holten uns die "geliebten" Reisfelder ein. Dazwischen durchquerten wir wieder fast verlassene kleine Orte. In Tromello, wo wir eventuell in der Pilgerherberge übernachten wollten, besuchten wir die Bar. Wir entschieden uns dort weiterzulaufen, da sonst die morgige letzte Strecke zu lang wird. Es war nicht mehr weit und wir erreichten Garlasco. Zunächst besuchten wir den Supermarkt ehe wir uns zur Pilgerherberge begaben, erstmal trinken, trinken ... Die Herberge war in der Kleinstadt schnell gefunden. Allerdings fand ich keinen, der uns öffnete. Am Schild stand dass erst 21 Uhr jemand kam, jetzt war es etwa 14 Uhr. Ich ging in die Kirche, fragte paar Leute, die hier rumsaßen und rief unter einer angegebenen Nummer an. Nichts ... Find ich nicht gut, leicht verärgert nahmen wir das Hotel 500 m weiter. Später begaben wir uns in den nahegelegenen Park und machten ausgiebiges Picknick mit viel Bier und Wein :-), der Tag war gerettet ...

Tag 13

Garlasco - Pavia

Den letzten Tag hatten wir uns entspannter vorgestellt. Wieder sehr heiß, wieder ging es über mückenreiche Felder. Meist Straße und breite Feldwege führten durch einige Orte bis wir endlich den Ticino sahen. Wir nahmen alle Flußbiegungen mit, im Parco del Ticino war es dann am Schlimmsten mit den Mücken. Trotz teilweise schattiger Wälder waren es ganze Wolken an Stechmücken, die über uns herfielen. Man sah auch keine Freßfeinde hier wie Libellen oder Vögel. Am Ende des Parks mussten wir in einer Bar nochmal Flüssigkeit nachfüllen, es war bis zum Schluss heiß und schwül. Am Ticino entlang kamen wir in die Stadt, mußten allerdings zuerst in die Herberge, da die Leute auf uns warteten. Die Pilgerherberge Parocchia Santa Maria in Betlem, in der ich 2014 übernachtete, hatte Ende Juli geschlossen, wir mussten auf ein Gästehaus ausweichen, ein ganzes Stück vom Stadtzentrum entfernt. Aber es war absolut in Ordnung dort und gleich neben dem Bahnhof. Denn unsere Pilgerei für 2017 endet hier, morgen geht es mit dem Zug nach Mailand, von wo letztendlich unser Heimflug startet. Nachdem wir unseren Schlüssel hatten, musste ich als Nächstes meinen Pilgerstock würdig verabschieden, er landete im Ticino. Nun bummelten wir durch Pavia, in die Kathedrale, durch Einkaufsstraßen (wie schön für Manu :-)) und suchten uns danach noch eine preiswerte Pizzeria am Standtrand. Noch paar Getränke aus dem Alimentari geholt und der Tag neigte sich schon wieder dem Ende zu.

Tag 14

Pavia - Mailand

Nach dem Frühstück in der Bar um die Ecke laufen wir zum Bahnhof. Alle halbe Stunde fährt der Zug nach Mailand. Dort auf dem monumentalen Bahnhof angekommen, war es noch eine halbe Stunde zu laufen bis zum Domplatz. Doch dann steht man fasziniert vor der drittgrößten Kirche der Welt, einem Ergebnis feinster Handwerkskunst. Der Platz davor war randvoll mit Touristen und Tauben. Wir holten uns Karten für den Dom und spazierten abwechselnd hinein, denn einer mußte jeweils auf unsere Rucksäcke aufpassen, die dürfen natürlich wegen der Sicherheit nicht mit hinein. Das dauerte dann auch 2 Stunden ehe wir getrennt zur Erkundungstour aufbrachen. Manu bummelte durch die monumentale Galleria Vittorio Emanuele II und die edlen Shops um das Domviertel herum, ich machte einen Rundgang durch den Parco Sempione mit dem Castello Sforzesco. Es war sehr heiß und so machten wir uns am späten Nachmittag mit der Metro auf den Weg Richtung San Siro Station, dort lag unsere Jugendherberge Piero Rotta. Sehr einfach, aber unkompliziert und preiswert, schliefen wir hier nach Geschlechtern getrennt in Schlafsälen. Davor kauften wir noch paar Dinge ein im Supermarkt und aßen die letzte italienische Pizza. Bei Wein und Bier ließen wir dann im Vorgarten der Herberge den Tag ausklingen. Morgen müssen wir vor 5 aufstehen, Metro fährt um diese Zeit noch nicht, der Stadtbus wird uns früh ins Zentrum bringen und der Shuttlebus danach zum Flughafen Bergamo.