Camino francés

Deutschland - Frankreich

Anreise Saint-Jean-Pied-de-Port

Im Nachhinein betrachtet war mein erster Pilgerweg wie eine Lehrstunde. Ich hab jeden Fehler gemacht, der möglich war. Ich hab falsch gepackt, falsch geplant und ich musste lernen Sicherheit aufzugeben, Vertrauen zu mir und anderen zu haben. Eben gelassener werden, na ja, deswegen war ich ja hier 🙂. Ich ging die Strecke im Winter, vom 18.12.2009 - 15.01.2010. Im Sommer ist es mir zu überlaufen da. Eine aktuelle Herbergsübersicht mit Öffnungszeiten ist hier angebracht, nicht alle Herbergen hatten auf, manche hatten private Feiern über Weihnachten und man mußte nachmittags deswegen noch paar Kilometer ranhängen zur nächsten Unterkunft. Ich hatte mich entschlossen, die absehbar nervige Anreise per Zug zu machen. So ging es denn auch am 18.12.09 von Chemnitz Hbf zunächst Richtung Stuttgart. Da gibts auch nix Interessantes zu berichten. Lustig ist vielleicht, dass auf manchen Bahnsteigen neuerdings mit breiten gelben Linien eingegrenzte 2 mal 2 Meter Bereiche für Raucher eingerichtet wurden. So wie sich der Zigarettenqualm schlecht an diese Begrenzung halten wollte, so unmöglich war es uns Rauchern. Was kranke Beamtenhirne so hervorbringen 🙂.

Irgendwann ging es dann von Stuttgart per TGV Richtung Paris. Ich kam mir armselig vor, alle außer mir waren voll beschäftigt mit ihren Notebooks und mobilen Geräten. Am späten Nachmittag kam ich am Gare de l'Est in Paris an. Chaotisch auf diesem Bahnhof, angefangen bei den Menschenmassen, die sich durch den Bahnhof wälzten, aber auch was die Orientierung hier betraf. Unsicherheiten in der Mimik werden hier sofort erkannt, man hatte Leute an der Backe, die um Kippen bzw. Geld bettelten oder einem falsche Metrokarten andrehen wollten, da an den Automaten oder Schaltern lange Schlangen standen. Nach einiger Hilflosigkeit, welche auch auf mangelnde Französischkenntnisse zurückzuführen war, fand ich die Metro und es ging Richtung Gare d'Austerlitz.

Neben einer Schweinekälte erwartete mich hier eine Baustelle von Bahnhof. Alle Türen standen offen, überall waren Bereiche abgezäunt, das einzige Cafe, oder wie man diese Einrichtung nennen soll, war überfüllt und unbequem. Aber was zum Essen und einen Kaffee brauchte ich mittlerweile, die Anfahrt nervte langsam. Hier mußte ich jetzt 8 Stunden warten auf den Zug nach Bayonne. Aufgrund der Kälte und dem Wind in diesem Gebäude zog ich es vor, ein bischen durch Paris zu laufen. Die Seine liegt neben dem Bahnhof und ich schaute mir die Kähne an, die dort ankerten. Unter den Brücken hatten Obdachlose ihre Zelte aufgebaut, manche schliefen schon, manche schauten raus und qualmten. Ich überlegte mir, wie gut ich es doch habe und ob diese Leute je wieder aus diesem Leben entkommen würden. Im Pendeln zwischen Spaziergängen und dem Kaffeeautomaten brachte ich meine 8 Stunden Aufenthalt rum, doch mittlerweile war, wie ich später erfuhr, der ganze Zugverkehr um Paris zusammengebrochen. Ein Wintereinbruch, zig Bedienstete gaben Auskunft über Verspätungen, nach der Anzeigetafel konnte man sich gar nicht mehr orientieren. Ich wurde nervös und rannte zu jedem Zug, der den Bahnhof verließ. Das Spielchen wiederholte sich bis in die späte Nacht, irgendwann jedenfalls fand ich den richtigen Zug. Er war mehrgeteilt, der Zug wurde unterwegs abgekoppelt, für manche ging es nach Irun, für andere nach Bayonne, was auch nichts erleichterte. Jedenfalls fiel ich auf meinen reservierten Schlafsessel und während der Fahrt durch die Nacht waren ab und an sogar kleine Nickerchen möglich.

Sehr früh am nächsten Morgen kam ich in Bayonne an. Nach einem ordentlichen Cappuchino in dem schönen Cafe erkundigte ich mich nach dem Abfahrtsort des Busses nach Saint-Jean-Pied-de-Port. Links vorm Bahnhof war die Antwort, nachdem ich dann aber eine Stunde nach der regulären Abfahrtszeit immer noch umsonst stand, wurde mir bewußt, ich hätte genauer fragen sollen. Damit hatte ich weitere 4 Stunden Aufenthalt und bummelte durch Bayonne. Die Stadt besitzt eine sehr schöne Kathedrale und einen lebhaften Markt. In einem der gemütlichen Cafe's gönnte ich mir ein Frühstück, sogar die Sonne ließ sich an diesem Tag sporadisch blicken. Den nächsten Bus erwischte ich dann und nach den verschiedensten privaten Erledigungen des Busfahrers, kam ich endlich in Saint-Jean-Pied-de-Port an.

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