Jerusalem Weg

Deutschland

Erstmal einlaufen: Rehsen (Sachsen-Anhalt) - Zwickau

Die Stadt Jerusalem als Ziel hat schon seit Längerem eine magische Anziehung auf mich, ohne dass es dafür eine rationale Erklärung gäbe. Nun war die Zeit ran, ich brauchte mal eine Auszeit, hab bissel Geld gespart und Zeit frei gemacht, es konnte losgehen. Tagebuch habe ich keins geführt, ab da wo es intensiver wurde, habe ich ab und an in Facebook gepostet, damit ich später eine zeitliche Zuordnung zu den entsprechenden Etappen habe. Zeit und Geld reichten für 4 Monate, so dass ich meine Tour dahingehend angepasst habe. Aber die mußte ich in Süditalien zwangsweise eh neu planen. Die meisten Jerusalempilger gehen den Weg über Österreich, Ungarn, Serbien, Kosovo, Mazedonien, Griechenland, Türkei, Syrien und Jordanien. Abgesehen davon, daß Syrien derzeit nicht durchquerbar war, wollte ich trotzdem meinen eigenen Weg nach Jerusalem gehen. D.h. Rom war ein Muss für mich und zumindest eine ordentliche Strecke am Meer entlang.

In Deutschland bin ich auf den Pilgerwegen Via imperii, Oberfränkischer Jakobsweg, Jakobsweg Nürnberg - Ulm - Konstanz gewandert, nur dass ich statt über Konstanz nach Lindau Richtung Österreich weiterlief. Zu 90% ging es Wald- und Feldwege entlang, die deutschen Pilgerwege sind sehr gut geplant. Neben Übernachtungen bei Freunden und Verwandten hatte ich bis Lindau v.a. Pensionen, Jugendherbergen, manchmal auch Gasthöfe. Nur in Reichenbach, Hof und Lindau gab es schöne Pilgerherbergen.

Am 29.3.2014 brach ich früh auf. Es war neblig und aus der monatelangen Vorfreude wurde langsam Anspannung: Jetzt geht's wirklich los. Erstmals wurde mir bewußt was ich hier begonnen hatte, nachdem ich nach 5 km erstmals meinen Rucksack absetzen mußte. Shit, war der schwer, wollte ich das Ding wirklich nach Jerusalem schleppen? Die physischen Torturen kamen schnell, aber das war mir klar, da ich nicht eingelaufen war. Die Strecke war landschaftlich schön, vorbei am Bergwitzsee, ging es zum Großteil durch den Wald der Dübener Heide. Unterwegs fragte eine ältere Dame, wo ich denn mit dem großen Rucksack hin wandern wolle. Ich getraute mir's noch nicht zu sagen, vermute mal, die hätten mich weggeschlossen 🙂. Mittlerweile auf dem ersten Pilgerweg, der Via Imperii (Stettin - Hof) gaben 3 Kilometer vor Thornau meine altbewährten Santiago-Wanderschuhe den Geist auf - Sohle gebrochen. Nicht gut, ich ging erstmal an einen Imbiß Kaffeepause machen. Kaputt in der Pension angekommen, musste ich zig Blasen aufstechen.

Die alten Schuhe ließ ich gleich dort, einmal Ersatz hatte ich mit. Nach dem liebevollen Frühstück nahm ich den weiten Weg heute nach Markleeberg in Angriff. Anfangs noch schön im Wald, verlief die Strecke heute zunehmend über kleinere Straßen und Feldwege. In Bad Düben gings ein Stück die Mulde entlang, es war noch neblig am Morgen, danach durch durch zahlreiche Dörfer. Kurz vor Leipzig ging aber nix mehr bei mir. Die Füße, der Rücken, alles irgendwie schmerzte. Ich quälte mich noch eine Runde, sah dann aber ein, ich hatte mich heute übernommen. Zu weit geplant ohne trainiert zu haben, Selbstüberschätzung 🙂. Eine gute Freundin holte mich dann in die Unterkunft nach Markleeberg. Es sollte noch 3 Etappen dauern, bis die Füße erstmalig schmerzfrei waren, so war auch die Strecke bis Frohburg nicht so für mich zu genießen wie sie es verdient hätte.

Wetter und Weg auf der Via imperii waren nämlich fast durchgängig optimal zum Wandern, heute verlief der Weg durch kleine Orte und an einigen Seen vorbei. Am nächsten Morgen musste ich ein Stück zurücklaufen ehe die Strecke entspannt durch den Wald führte, vorbei am Pahnaer See. Später wurden es mehr Straßen. Als ich im Schloßpark zu Altenburg pausierte, sah ich hin und wieder schon komische Blicke. Scheinbar kommen doch eher weniger Wanderer oder Pilger mit größeren Rucksäcken die Via Imperii entlang. Weiter ging es wiederum über kleine Straßen und Feldwege, durch kleine Dörfer bis Crimmitschau. Da hatte ich wieder eine Privatunterkunft. Die Sohle meiner Ersatzwanderschuhe war zu weich, ich hatte starke Schmerzen auf den letzten Kilometern.

Aber gut versorgt und nach viel Fußpflege nahm ich am nächsten Morgen die kurze Strecke nach Zwickau in Angriff. Bis Mosel v.a. auf Straßen, führte der zweite Teil des Weges schön auf Radwegen die Zwickauer Mulde entlang. Mein Vater brachte mir heute seine Wanderschuhe an den Weg, die hatten harte Sohlen. Ohne diese hätte ich nicht mehr laufen können, meine Füße bestanden nur noch aus Blasen. In der Privatunterkunft in Zwickau wickelte ich diese mit reichlich Pyolysin Salbe in Verbände ein über Nacht.

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